Homepage von Len Piltz

Harry Harrison und die Stahlratte

Ich möchte Sie an dieser Stelle auf einen Autor und einen SF-Roman-Zyklus hinweisen, der Aufmerksamkeit verdient. Harry Harrison, Veteran der Science-Fiction-Literatur, hat einen inzwischen zehnbändigen Zyklus um die Figur der «Stahlratte» James Bolivar diGriz geschrieben. Alle Bücher sind in Deutschland erschienen, aber leider inzwischen teilweise vergriffen. Im folgenden finden Sie Informationen zum Autor und zu den einzelnen Bänden des Werkes.

Zitat aus «Die Geburt einer Stahlratte»

"Als ich mich der Eingangstür der Nationalbank von Bißchen-Himmel näherte, spürte sie meine Annäherung und öffnete sich zur automatischen Begrüßung. Energisch trat ich über die Schwelle - und blieb stehen. Und zwar so berechnet, daß die Tür sich hinter mir nicht schließen konnte. Noch während sie zuzugleiten versuchte, zog ich meinen Schweißstift aus der Tasche und fuhr in dem Moment herum, als sich die beiden Türhälften doch noch begegneten. Den mechanischen Reflex hatte ich bei früheren Bankbesuchen gestoppt und wußte, daß ich genau 1,67 Sekunden Zeit hatte, das Erforderliche zu tun. Zeit genug.
Der Schweißbogen knisterte und verband die Tür fest mit ihrem Rahmen. Sie konnte nun nichts anderes tun, als hilflos zu summen, ohne sich zu rühren - bis es schließlich in der Mechanik einen Kurzschluß gab, der zischend Funken versprühen würde. Danach Stille.
«Die Beschädigung von Bankeigentum ist ein Verbrechen. Sie sind verhaftet.»
Gleichzeitig langt der robotische Bankwächter mit großen gepolsterten Händen nach mir, um mich festzuhalten, bis die Polizei eintraf.
«Heute nicht, du klirrender Schrotthaufen!» fauchte ich und versetzte dem Ding mit der Stachelspeckschweinrute einen energischen Schlag vor die Brust. Die beiden elektrischen Kontakte erzeugten 300 Volt und jede Menge Ampère - jedenfalls genug, um sich bei einem tonnenschweren Stachelspeckschwein bemerkbar zu machen. Und genug, um den Roboter völlig lahmzulegen. Aus sämtlichen Gelenken quoll Rauch, und die Maschine ging mit einem wohlklingenden Krachen zu Boden.
Aber das geschah schon hinter mir, denn ich war losgerannt und hatte die alte Dame zur Seite geschoben, die am Schalter stand. Ich zog die große Handfeuerwaffe, richtete sie auf die Kassiererin und knurrte ihr meinen Befehl zu: «Dein Geld oder dein Leben, Schwester. Füll den Sack mit Dollars!»
Sehr eindrucksvoll, auch wenn meine Stimme nicht ganz fest war und die letzten Worte etwas schrill klangen. Die Kassiererin begann zu lächeln und versuchte mir frech zu kommen.
«Geh nach Hause, Kleiner! Wir sind hier nicht...»
Ich zog durch, und die rückschlagfreie .75er dröhnte dicht vor ihr los, Qualm blendete sie. Getroffen wurde sie nicht - aber die Wirkung war beinahe dieselbe. Sie rollte die Augen himmelwärts und glitt langsam hinter dem Tresen zu Boden.
So leicht läßt sich Jimmy diGriz nicht täuschen! Ich sprang elegant über den Tresen und bedrohte den Rest der aufgeschreckten Angestellten mit der Waffe.
«Zurück - ihr alle! Schnell! Laßt die Fingerchen von den stummen Alarmknöpfchen! Richtig so. Du, Dickerchen...» - ich winkte dem beleibten Kassierer herbei, der mich bisher immer übersehen hatte. Nun widmete er mir seine volle Aufmerksamkeit - «du füllst mir den Beutel prall mit Penunze, große Scheine, und zwar schnell!»
Er gehorchte schwitzend und mit unsicher tastenden Fingern. Kunden und Personal verharrten in absonderlichen Posen, offenkundig vor Angst gelähmt. Die Tür zum Büro des Direktors blieb geschlossen, vermutlich weil er gar nicht da war. Dickerchen hatte den Sack mit Scheinen gefüllt und hielt ihn mir hin. Die Polizei war nicht in Sicht. Es sah fast so aus, als würde der Coup gelingen."

Biographie von Harry Harrison

Geboren 1925 in Stamford, Connecticut. Studium an verschiedenen amerikanischen Universitäten. An einer Kunsthochschule lernte er den späteren Comic-Zeichner Wally Wood kennen, mit dem er eine Comic-Produktion begann. Harrison leitete später eine Werbeagentur, redigierte Comic-Texte und Unterhaltungsliteratur aller Art und war zehn Jahre lang für die «Flash Gordon»-Serie verantwortlich. «Rock Diver», seine erste SF-Story, erschien 1951 in «Worlds Beyond», doch Harrison betätigte sich erst gegen Ende der fünfziger Jahre kontinuierlich als SF-Autor, als das Genre sich für ihn als tragbare Existenzgrundlage erwies. Harrison ist ein Weltenbummler: Er lebte in Mexiko, Italien, Dänemark und ließ sich schließlich in Irland nieder. Harrison, der kurzfristig Redakteur der SF-Magazine «Amazing», «Fantastic», «Science Fiction Adventures» und «Impulse» war, hat auch mehrere Anthologien herausgegeben und gehört zu den wenigen SF-Autoren, deren Werke sich durch Humor auszeichnet, wenn er auch hauptsächlich dem reinen Abenteuer verhaftet ist.

Der Stahlratten-Zyklus

1.: Die Geburt einer Stahlratte

Originaltitel: A Stainless Steel Rat Is Born, 1985
Übersetzung: Thomas Schlück

Inhalt: James Bolivar «Jim» diGriz, junger Bewohner eines idyllischen, aber hinterwäldlerischen Planeten der fernen Zukunft, kann sich nicht so recht in die Gesellschaft einpassen. Das beginnt schon mit der Frage nach der Berufswahl. Dazu sagt Jim: "Schon sehr früh im Leben [...] beschäftigte ich mich ernsthaft mit der Möglichkeit, die Verbrecherlaufbahn einzuschlagen. Dies hatte viele Gründe - nicht zuletzt weil ich Spaß daran hatte, ein Verbrecher zu sein." Gesagt, getan. Jim diGriz tritt eine Schlosserlehre an, beschäftigt sich mit waffenlosem Kampf, Computertechnik und diversen Methoden zur Anfertigung von Fälschungen. An seinem siebzehnten Geburtstag beschenkt er sich selbst mit einem Banküberfall, der ihn ins Gefängnis bringen soll. Denn dort will er hochkarätige Verbrecher kennenlernen, um bei ihnen «in die Lehre» zu gehen. Das Gefängnis erweist sich jedoch als Fehlschlag. Dafür bekommt er einen Tip: Der «Läufer», ein legendärer Verbrecher, soll angeblich noch leben und im Verborgenen wirken. Jim bricht aus und macht sich auf die Suche nach dem Mann, der sein Lehrmeister werden soll. Dazu begeht er einen raffinierten Diebstahl, bei dem er eine Visitenkarte hinterläßt. Auf der Visitenkarte ist das Schach-Symbol des Läufers, wie es schon der Läufer selbst in seiner aktiven Zeit verwendet hat, gezeichnet. Zusätzlich steht ein Schachzug auf dem Papier, welcher gleichzeitig eine Datumsangabe ist. Das ist das Datum des nächsten Verbrechens von Jim. Auf diese Weise hofft Jim diGriz, Kontakt mit dem Läufer aufnehmen zu können. Tatsächlich treffen sich die beiden, doch der Läufer, inzwischen in die Jahre gekommen und nicht mehr aktiv, lehnt es ab, einen Lehrling aufzunehmen. Enttäuscht macht Jim einen Urlaub, um sich etwas Neues zu überlegen. Als er zurückkehrt, muß er feststellen, daß der Läufer festgenommen wurde. Jim befreit ihn, sie fliehen und als Dank nimmt der Läufer Jim unter seine Fittiche. Die beiden verlassen den Planeten und werden als Sklaven auf den rückständigen Planeten Spiovente verschleppt. Dort macht Jim diGriz neue Erfahrungen, doch sein Lehrmeister stirbt durch die harten Bedingungen, unter denen sie leben müssen. Jim diGriz schwört Rache, muß aber zunächst sehen, wie er von dem Planeten fliehen kann, auf dem er gefangen ist.

Anmerkungen: Der erste Roman des Zyklus' ist gleichzeitig der beste. In ihm hat Harrison auf wenigen Seiten viele gute Ideen verarbeitet, so daß keine Seite langweilig wird. Zudem ist der Schreibstil sehr humorvoll, aber nicht albern. Die Fähigkeiten der Stahlratte diGriz grenzen zwar an das Übernatürliche, doch sie erscheinen natürlich und werden dadurch wettgemacht, daß Jim diGriz immer wieder in Situationen gerät, die aussichtslos erscheinen. Dieses Buch und die gesamte Serie polarisieren die Leserschaft: Die einen mögen die Bücher (dazu gehört der Autor dieser Zeilen) und die anderen können bestenfalls nichts damit anfangen (diesen Leuten erscheint die Serie als zu albern). Man darf die Handlung und die Person des James diGriz nicht zu ernst nehmen, sondern kann sie durchaus als Parodie auf Helden wie Superman, Batman usw. verstehen. Dabei ist es nicht ausschließlich eine Parodie oder ein Abenteuerroman. Der Autor versucht auch, eine ernsthafte Botschaft über die Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens der Menschen und über verschiedene Gesellschaftsformen zu vermitteln.

2.: Stahlratte wird Rekrut

Originaltitel: The Stainless Steel Rat Gets Drafted, 1987
Übersetzung: Thomas Schlück

Inhalt: Jim diGriz konnte zwar den Planeten Spiovente verlassen, doch dafür ist er nun auf einem anderen Planeten in einem Gefängnis der Liga-Marine, der Weltpolizei. Das Gefängnis erscheint ausbruchssicher. Als er vom Gefängnis zum Raumflughafen gebracht wird, von wo aus er nach Bißchen-Himmel ausgeliefert werden soll, kann er fliehen und versteckt sich im Gewirr einer ihm unbekannten Stadt auf dem ihm unbekannten Planeten Steren-Gwandra. Wenig später kann er auch Bibs befreien, die ehemalige Geliebte des Raumschiff-Kapitäns, der ihn nach Spiovente verschleppte. Gemeinsam rauben sie einen Geldverleiher aus. Bibs klärt Jim über die Verhältnisse auf dem Planeten auf. Unter anderem erklärt sie ihm, daß der verhaßte Kapitän, Garth mit Namen, auf der gut geschützten Insel Nevenkebla zu finden ist. Bibs verläßt den Planeten, aber Jim diGriz bleibt, da er noch eine Rache auszuführen hat. Er schmuggelt sich auf die Insel und erwirbt einen neuen Namen, doch er wird gefaßt und unter seiner neuen Identität zum Militärdienst gezwungen. Er erduldet harten militärischen Drill. Nach der Ausbildung wird er  in einem Lager stationiert. Gleichzeitig wird bekannt, daß sich ein Spion in die Reihen der Armee eingeschlichen hat - nun muß die Stahlratte diGriz fliehen. Dabei wird er durch elektronische Wanzen der Liga-Marine unterstützt. Jim diGriz gelangt auf seiner Flucht mitten in eine Invasion, die auch von Kapitän Garth mitgeplant wurde. Die Bewohner des angegriffenen Planeten treten den Angreifern (unter ihnen auch Jim diGriz) nicht mit Waffen entgegen, sondern mit Freundlichkeit. Kapitän Garth, in der Armee von Steren-Gwandra als Zennor bekannt, entdeckt die Stahlratte in den eigenen Reihen und nimmt sie gefangen. Zennor veranlaßt einen öffentlichen Schauprozeß gegen Jim, mit welchem er die Bevölkerung des besetzten Planeten beeindrucken will. Eine kleine Gruppe von Freiwilligen befreit diGriz und bringt ihn in Sicherheit. Dort lernt er das Prinzip kennen, nachdem die dortige Gesellschaft funktioniert. Erdenker dieser Gesellschaftsform war ein intelligenter Roboter. Danach kehrt Jim diGriz heimlich wieder zurück in die Armee, um dort für reichlich Desertionen zu sorgen. Die desertierten Soldaten und er fliehen in Verkleidung aus der Hauptstadt. Jim versucht nun, eine Überlichtgeschwindigkeits-Botschaft mit den Koordinaten des besetzten Planeten an die Liga-Marine zu schicken, doch das mißlingt ihm. Er besucht den Roboter, weil er sich bei ihm Rat in der Angelegenheit der Besetzung des Planeten holen möchte. Schließlich erfährt er, daß er unabsichtlich schon eine solche Botschaft gesendet hat und die Rettung möglicherweise unterwegs ist. Da sich die Stahlratte ziemlich frei in der Stadt bewegt, wird sie von Zennor entdeckt. Beim folgenden Finale greift die Liga-Marine rettend ein. Zennor wird überwältigt. James Bolivar diGriz fordert als Gegenleistung für seine Taten, daß man ihm seine Strafen erläßt. Das Angebot, bei der Liga-Marine als Agent einzutreten, lehnt er jedoch ab.

Anmerkungen: In diesem Buch wird die Tradition der Gesellschaftskritik fortgesetzt, aber die Figur des diGriz entfernt sich hier sehr stark von seiner Herkunft als Verbrecher. Natürlich ist dies notwendig, da dieses Buch sehr viel später als das folgende geschrieben wurde. Auf der Flucht gelingt es der Stahlratte immer wieder, Gutes zu tun. Man kann dieses Abenteuer als die Wandlung vom kleinen Dieb zum Menschenretter betrachten.

3.: Stahlratte zeigt die Zähne

Originaltitel: The Stainless Steel Rat, 1960
Übersetzung: Wulf Bergner

Inhalt: Bei einer Verfolgung durch die Polizei wird Jim diGriz in die Arme von Inskipp, dem Chefs des Spezialkorps, getrieben. Das Spezialkorps ist eine Art interplanetarer Geheimdienst. Inskipp bietet der Stahlratte einen Posten innerhalb des Korps an. Halb freiwillig nimmt er an. Die folgende Ausbildung empfindet er als sehr langweilig, sie findet aber ein jähes Ende, als diGriz eine Verschwörung zum Bau eines riesigen Schlachtschiffes entdeckt. diGriz reist unter falschem Namen auf den Planeten Cittanuvo, wo das Schiff gebaut wird. Die Schiffswerft ist ahnungslos, was den Zweck des Schiffes angeht. Zwei Menschen, Pepe Nero und Angelina, haben den Bau geschickt inszeniert und fliehen mit dem fast fertiggestellten Schiff, bevor diGriz auf der Werft erscheint. Pepe Nero scheint auf Rubzüge aus zu sein. Also gibt sich Jim als Milliardär aus und geht an Bord einer schnell gebauten Luxusjacht. Er setzt das Schiff als Lockvogel ein, was auch gelingt. Pepe Nero und Angelina gehen in die Falle. Doch Angelina kann entfliehen und es stellt sich heraus, daß sie die eigentliche Drahtzieherin war. Jim folgt ihrer Spur auf den Planeten Freibur. Zufällig entdeckt er sie dort. Sie schießt auf ihn, doch er überlebt. Er läßt sich sein Gesicht verändern und nimmt Drogen, um sich besser in Angelinas Gedankengänge hineinversetzen zu können. Auf einem königlichen Opernball sorgt Jim für Aufsehen, um damit auch die Aufmerksamkeit von Angelina anzulocken. Er wird aus dem Gefängnis befreit und findet Angelina als Geliebte eines Herzogs auf Freibur wieder. Sie engagiert ihn als Leibwächter. Er lernt sie und ihre Motive näher kennen und kann einen Mordanschlag verhindern. Angelina teilt ihm mit, daß sie längst weiß, wer er in Wirklichkeit ist. Es landen Schiffe des Spezialkorps rund um das Schloß des Herzogs. Angelina bemerkt es und will Jim töten, doch zuvor wird sie von Inskipp überwältigt.

Anmerkungen: Die Motivation von James Bolivar diGriz, zum Spezialkorps zu wechseln, wird von Harrison leider nicht ausreichend beleuchtet. Harrison überspringt diesen Punkt, um die Handlung fortführen und sich in dieser Form entwickeln lassen zu können. Allerdings wird diese Frage im Verlauf des Romanes wieder aufgenommen und zu einem einigermaßen glaubwürdigen Ende gebracht. Eines der angerissenen hintergründigen Themen dieses Buches ist unter anderem, was schreckliche Erfahrungen aus Menschen machen können.

4.: Stahlratte schlägt zurück

Originaltitel: The Stainless Steel Rat's Revenge, 1971
Übersetzung: Thomas Schlück

Inhalt: Nach einem gelungenen Banküberfall von Jim heiraten er und Angelina (welche von den Psychologen des Sonderkorps behandelt worden ist). Inskipp schickt Jim allein - denn Angelina ist schwanger - auf eine gefährliche Mission. Dabei geht es um das Militär des Planeten Cliaand, welches mehrere andere Planeten überfallen und besetzt hat. Jim soll Cliaand ausspionieren. Er reist als Geschäftsmann ein und entwischt bald darauf seinen Bewachern. Er taucht in der Stadt unter, stiehlt sich Ausrüstung zusammen und fährt dann weit nach draußen, von wo er ein Signal an die Außenwelt abgibt. Daraufhin wird Jim vom Sonderkorps ein falscher Meteorit mit Ausrüstung in seinem Kern geschickt. Samt seiner neuen Ausrüstung kann Jim seinen Häschern entkommen. Er nimmt die Identität eines existierenden Majors an und hält den echten Major gefangen. diGriz schleicht sich auf diese Weise in eine Kaserne ein. Doch bald bekommen seine Gegner mit, daß sich ein Spion eingeschlichen hat. Jim wird Teilnehmer einer weiteren Invasion. Auf dem Planeten Burada desertiert Jim in den Wirren des Kampfes und nimmt Kontakt mit den Einheimischen auf. Er wird von den Hintermännern der Invasion - genannt «die grauen Männer» - aufgespürt. Sie nehmen Jim gefangen und verkünden ihm, sie wüßten um die Existenz des Sonderkorps und würden nun daran gehen, es zu zerstören. Jims Ausbruch wird von den Einheimischen unterstützt. Auch Angelina ist unter den Befreiern. Sie erklärt ihm, er sei Vater von Zwillingen und sie sei gekommen, auf ihn achtzugeben. Sie senden eine Botschaft an Inskipp, bleiben aber auf dem Planeten Burada, um den Befreiungskampf zu unterstützen. Angelina will den Anführer der grauen Männer namens Kraj entführen, wird aber selbst gefaßt. Kraj fordert von Jim, er solle sich ergeben, denn sonst würde seine Frau sterben. Jim geht in die Höhle des Löwen und befreit seine Frau, wobei er gleichzeitig seinerseits Kraj überwältigt. Durch psychische Konditionierung übersteht der Anführer eine Befragung nicht und stirbt. Jim geht verkleidet als Kraj zum Feind und zerstört mehrere Raumschiffe. Zurück in der Zentrale des Sonderkorps kann diGriz Inskipp erklären, wie die Invasionen der Cliaandier gestoppt werden können. Cliaand wandelt sich zu einem Touristenparadies.

Anmerkungen: Harrison hat in diesem Buch einige gute Einfälle, wenn sich auch das Motiv des In-das-Militär-gehens wiederholt. Insbesondere die Szene mit dem gefangenen Major ist gut gelungen. Politische oder gesellschaftliche Aussagen treten in diesem Roman eher in den Hintergrund und werden nicht besonders behandelt, wie es zum Beispiel in "Stahlratte wird Rekrut" der Fall gewesen ist.

5.: Stahlratte rettet die Welt

Originaltitel: The Stainless Steel Rat Saves The World, 1971
Übersetzung: Thomas Schlück

Inhalt: Gleich zu Anfang des Geschehens wird James Bolivar diGriz mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert, die jedoch gleich darauf vom Spitzenwissenschaftler des Sonderkorps, Coypu, erklärt werden. Es handelt sich um eine terroristische Aktion, die sich gegen das Sonderkorps richtet. Der mächtige Gegner verfügt wie auch das Korps über die Möglichkeit des Zeitreisens, setzt diese Fähigkeit allerdings auch ein, was das Korps nicht tut, um Komplikationen zu vermeiden. Jim diGriz muß sich auf eine Reise in die Vergangenheit machen, um den Gegner auszuschalten. Es ist eine Reise auf die Erde, für ihn 32589 Jahre zurück, für uns das Jahr 1975. Dort hat er eine Begegnung mit einem Menschen, den er zur Erlernung von Sprache und Sitten benutzt. Ein Gerät zur Anzeige von Temporalenergie zeigt Jim an, daß sein Feind ganz in der Nähe sein mußte. Auf der Suche nach dem Feind wird er überwältigt, aber er kann sich nach einer Begegnung mit dem großen Unbekannten befreien und flieht nach Mexiko. Von dort kehrt er zurück in die USA. In einer von ihm aufgekauften Laboranlage baut Jim eine eigene Zeitmaschine. Jim muß zum Anfang des 19. Jahrhunderts reisen, weil er dort das Versteck des Feindes vermutet. In Oxford muß er feststellen, daß der von den Historikern beschriebene Zeitablauf verändert wurde. In London befindet sich die schwerbewachte Zentrale des Feindes. Dort verbündet ich Jim mit einer Widerstandsgruppe. Es kommt zu einer Konfrontation Jims mit seinem Feind, bei der Jim gefangen genommen wird. Angelina kommt und rettet ihn. Dabei wird sein Feind aus der Zeit geworfen. Damit ist die Gefahr jedoch nicht gebannt. Jim muß in Begleitung von Angelina einen Sprung in die Zukunft der Erde machen zu dem Zeitpunkt, an dem sie zerstört wird. Sie treffen auf eine andere Widerstandsgruppe, die sich dem Willen des Feindes widersetzt. Mit einem Energiefallschirm landet das Paar zusammen mit ein paar Widertständlern in der Burg des Feindes. Jim schickt seinen Feind in eine unendliche Zeitspirale, wo er nichts mehr anrichten kann.

Anmerkungen: Ähnlich wie in dem Film "Star Trek 4 - Zurück in die Gegenwart" nutzt Harrison in diesem Band den dramatischen Effekt, der sich mit einer Konfrontation der Zukunft (unserer Zukunft) mit der Gegenwart (unserer Gegenwart) erreichen läßt. Der Wiedererkennungseffekt und das Über-sich-selbst-Lachen des Lesers machen dieses Buch zu einem der Höhepunkte des Zyklus'. Außerdem ist dieses Buch eine Variante des in der Science-Fiction ewigen Themas des Zeitparadoxons. Die scheinbar schlüssige Erklärung, die Coypu am Ende des Buches für die Handlung gibt, ist typisch dafür.

6.: Stahlratte will dich

Originaltitel: The Stainless Steel Rat Wants You, 1978
Übersetzung: Thomas Schlück

Inhalt: diGriz wird zu Inskipp gebracht, der einen Auftrag für ihn hat. Hochrangige Militärs sind samt ihrem Aufenthaltsort, einem Satelliten, auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Stahlratte macht einen Sprung mit der Zeitmaschine zu dem Ort und Zeitpunkt des Geschehens. Dabei findet er heraus, daß der Satellit von einem riesigen Raumschiff nichtmenschlicher Wesen «geschluckt» worden ist. Jim fliegt mit Frau und Kindern auf eine Erkundungsmission zu dem Heimatplaneten der Entführer. Bei einer unglückseligen Aktion werden Angelina und James von den Außerirdischen gefangen genommen. Jim und Bolivar bleiben zurück. Gleichzeitig starten die Außerirdischen einen Großangriff auf die Planeten der Liga. Sie sind der Liga weit überlegen. Professor Coypu bastelt Jim ein Kostüm, in dem er wie einer der schleimigen, tentakelbewehrten Außerirdischen aussieht. Für Bolivar wird ein kleiner Serviceroboter als Verkleidung gebaut. So ausgerüstet wagen sie sich zum Heimatplaneten der Außerirdischen, um Angelina und James zu retten - und nebenbei die Welt. Jim gibt sich als Botschafter aus, der weitere Hilfe im Kampf gegen die abscheulichen Menschen bringt. Sie finden Angelina und James, die aus ihrem Gefängnis ausgebrochen sind, aber noch nicht vom Planeten fliehen konnten. Angelina wechselt in den Roboter, die Zwillinge tauchen unter. Jim stellt einige Nachforschungen an und entdeckt, daß hinter der Invasion die «grauen Männer» stecken. diGriz entlarvt den Vorsitzenden der Streitkräfte der Außerirdischen als solchen grauen Mann. In der darauffolgenden Verwirrung schnappen sich die grauen Männer das Wesen, in welchem Jim steckt, und fliehen mit ihm. Jim überwältigt die Besatzung, merkt sich den Kurs des Schiffes und wird selbst wieder überwältigt. Sie bringen ihn nach Kekkonshiki, dem eiskalten Heimatplaneten der grauen Männer. Kaum angekommen, flieht Jim diGriz aus der Gewalt seiner Häscher, wandert durch eine Schneewüste und dringt in ein ihm unbekanntes Haus ein. Es ist eine Schule, in der Jim in der Gestalt des Direktors einen Verbündeten findet. Jim muß trotzdem weiter fliehen. Ein kleines Schiff der Liga verhilft Jim schließlich zur Flucht von Kekkonshiki. Doch bald kehrt diGriz zurück und erklärt den grauen Männern, wo die Fehler in ihrem Denken liegen. Schließlich kämpfen sie Seite an Seite mit der Liga gegen die Schleimwesen.

Anmerkungen: Die hintergründige Botschaft in diesem Buch besteht in moralischen Überlegungen zum Leben-und-leben-lassen. Die Lösung, mit der die grauen Männer letztendlich umgestimmt werden, ist jedoch in ihrer Art sehr naiv präsentiert. Dies liegt vielleicht in der Natur der Sache. Ansonsten ist es eines der besseren Bücher der Serie, ohne größere Längen.

7.: Macht Stahlratte zum Präsidenten

Originaltitel: The Stainless Steel Rat For President, 1982
Übersetzung: Thomas Schlück

Inhalt: Jim macht mit Angelina Urlaub auf dem Planeten Blodgett. Doch lange können sie ihn nicht genießen, denn eine Widerstandsgruppe auf dem Planeten Paraiso-Aqui braucht ihre Hilfe. Getarnt als Touristen besuchen sie den Planeten, um  sich ein Bild von der Lage zu machen. Die Widerstandsgruppe nimmt Kontakt auf, doch auch die örtliche Polizei ist schon auf dem Plan. Jim und Angelina werden ausgewiesen, können aber noch einiges über die Verhältnisse auf Paraiso-Aqui erfahren. Der Präsident Zapilote ist seit über 200 Jahren an der Macht. Angelina, Jim und die Zwillinge kehren in Verkleidung als reiche Bürger zurück. Jim sucht die Widerstandsgruppe auf. Die Stahlratten-Familie sucht den Marquez Gonzales auf, welcher ihnen Unterstützung gewährt. Jim setzt ihm seinen Plan auseinander, daß der Marquez die Präsidentschaft übernehmen und den Planeten zur Demokratie führen soll. Doch der Marquez lehnt ab. So sieht sich Jim gezwungen, in Verkleidung im folgenden Wahlkampf selbst die Kandidatur zu übernehmen. Präsident Zapilote tut alles, um dies zu verhindern, doch die Eintragung ins Kandidaten-Register kann er nicht stoppen. Der folgende Wahlkampf ist ein Muster an Turbulenz. Die Gleichschaltung der Medien wird von diGriz geschickt umgangen. Dabei wird Bolivar gefangen genommen. Jim geht in das Hauptquartier Zapilotes und bringt ihn mit einem Trick dazu, Bolivar freizulassen. Der Wahlkampf ist so unfair, daß Präsident Zapilote sogar die elektronischen Wahlkabinen manipuliert. Trotzdem kann Jim diGriz die Wahl gewinnen.

Anmerkungen: Harry Harrison zeigt, daß man, um einen Betrüger hereinzulegen, selbst betrügen muß - aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Betrügen zu einem guten Zweck, um den Betrüger unschädlich zu machen. Der Wahlkampf wird uramerikanisch inszeniert, mit allem drum und dran. Es ist eine Freude, Bezüge zu heutigen Wahlkampftraditionen herzustellen.

8.: Die Stahlratte singt den Blues

Originaltitel: The Stainless Steel Rat Sings The Blues, 1994
Übersetzung: Thomas Schlück und Ronald M. Hahn

Inhalt: Jim diGriz wird bei einem Einbruch erwischt. Nun droht ihm die Todesstrafe. Er wird befreit, muß jedoch dafür einen Auftrag annehmen, den er in 30 Tagen erfüllen muß. Nach den 30 Tagen wird er durch ein Langzeit-Gift sterben. Irgendwo auf dem Planeten Liokukae befindet sich ein außerirdisches Artefakt, welches für eine Universität zurückgeholt werden muß. Als Tarnung gründet diGriz eine Popgruppe namens «Edelstahlratten», die aus Einsatzagenten besteht. Nun muß der Gruppe nur noch ein Delikt angehängt werden, um auf dem Gefängnisplaneten landen zu dürfen. Die Gruppe freundet sich auf Liokukae mit dem hiesigen Boss an und erfährt so mehr über den Planeten. Aber bald haben sie sich mit dem Boss angelegt und müssen fliehen. Die Edelstahlratten stellen Nachforschungen an und machen sich danach auf den Weg in die Stadt der Paradiesianer, weil dort das Artefakt zu vermuten ist. Sie müssen sich aufteilen, denn die Stadt ist geteilt in männliche und weibliche Bewohner. In der Stadt werden sie begeistert empfangen. Sie ziehen Erkundigungen ein, lernen die Bewohner kennen. Sie machen dem Stadtherrn Schwierigkeiten. Schließlich werden sie von den Frauen von der anderen Hälfte der Stadt gerettet und erfahren, daß sich das gesuchte Artefakt ebenfalls bei den Frauen befindet. Doch das Artefakt ist verschwunden. Mit der Hilfe eines weiblichen Zentralcomputers macht sich die Gruppe um Jim auf die Suche nach dem Dieb des Artefakts. Die Spur führt zu einer unterirdischen Wohnanlage mitten in der Wildnis. Darin lebt eine komplette, militärisch organisierte Gesellschaft, abgeschirmt vom Rest des Planeten. Jim wird zum Artefakt geführt. In der folgenden Auseinandersetzung betätigt er einen der Knöpfe an dem Artefakt. Die Zeit bleibt stehen, aber Jim kann sich noch bewegen. Er bekommt Besuch von zwei Zeitagenten, die das Gerät mitnehmen wollen. Sie bauen eine Attrappe. Jim führt führt seine Gruppe mit dem falschen Artefakt ins Freie. Nach Erfüllung seines Auftrages erfährt er, daß die Drohung mit dem Langzeit-Gift ein Trick war, um ihn zur Mitarbeit zu zwingen.

Anmerkungen: In diesem Buch geht Harrison auf das Rollenbild von Männern und Frauen ein sowie auf verschiedenen Gesellschaftsformen und wie sie sich etablieren können. Die Handlung spielt zwischen dem zweiten und dem dritten Band des Stahlratten-Zyklus. Jim diGriz ist dem Spezialkorps noch nicht beigetreten und ist auch Angelina noch nicht begegnet.

9.: Visionen einer Stahlratte

Originaltitel: Stainless Steel Visions, 1993
Übersetzung: Michael Windgassen u.a.

Inhalt: «Die Goldenen Jahre der Stahlratte» handelt von einem Besuch Jims in einem Gefängnis-Altersheim. Er läßt sich absichtlich schnappen, um eingewiesen zu werden - da er selbst schon den Eindruck eines Greises macht. Er möchte Pepe Nero befreien. Angelina hilft ihm dabei natürlich. Als Jim aber die traurigen Gestalten sieht, alles ehemalige Top-Verbrecher, bricht es ihm das Herz. Kurzentschlossen organisiert Angelina einen Bus. Jim bricht mit der Belegschaft des Gefängnisses aus und sie fahren mit dem Bus («Graue Panther fahren ins Blaue») davon.

Anmerkungen: In diesem Band des Stahlratten-Zyklus sind 17 verschiedenste Kurzgeschichten und Erzählungen aus der gesamten Schaffenszeit Harrisons versammelt. Nur die letzte Geschichte, «The Golden Years Of The Stainless Steel Rat» (1993), handelt von der Edelstahlratte. Die Figur des Pepe Nero ist aus Band 3 bekannt.

10.: Die Stahlratte fährt zur Hölle

Originaltitel: The Stainless Steel Rat Goes To Hell, 1996
Übersetzung: Ronald M. Hahn

Inhalt: Angelina wird entführt, was dem etwas gealterten Jim diGriz alle Reserven entlockt. Natürlich sind seine beiden Söhne bei der Suche mit von der Partie. Angelina hatte die windigen Geschäfte des Sektenführers Slakey untersucht. Jim und die Zwillinge reisen auf den Touristenplaneten Vulkann und holen sich die Unterstützung Inskipps in Form von Sybil, einer Agentin des Sonderkorps. Auf Vulkann gibt es eine ähnliche Sekte wie die von Angelina untersuchte. Sybil und Jim werden von Slakey überrumpelt. Sie wachen in einer merkwürdigen Umgebung auf. Mit der Hilfe der Zwillinge können sie entkommen. Professor Coypu erzählt ihnen etwas über Slakey, den Coypu als genialen Wissenschaftler kennt. Slakey hat offensichtlich ein Gerät entwickelt, mit welchem man nach Belieben zwischen verschiedenen Universen wechseln kann. Nach einer Begegnung mit Slakey findet diGriz seine Frau wieder, aber sie befinden sich in einem fremden Universum. Schließlich werden sie von Professor Coypu zurück in das richtige Universum geholt. Mit der Hilfe von 200 nur mit Riesensalamis bewaffneten Marinesoldaten kehrt die Edelstahlratte zurück in das Universum des Slakey. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, doch noch ist nicht geklärt, was Slakey eigentlich vor hat. Um das herauszufinden, geht Jim nochmal allein auf die Suche. Die Stahlratte gerät in die Anlagen eines riesigen Schürfunternehmens. Eine letzte Begegnung von Jims Gruppe mit Slakey führt zum Show-down. Slakey hatte das Schürfunternehmen angefangen, um einen Stoff abzubauen, der das ewige Leben verspricht. Jim erzeugt eine Patt-Situation, die Slakey weitere Handlungen verbietet. Die Welt ist vor einem weiteren Irren gerettet.

Anmerkungen: Dieser Band ist derjenige der Serie, der am stärksten mit Metaphern, anderen Realitäten und Mythen spielt. Die Handlung hat etwas leicht irreales. Die Technik, der sich die Edelstahlratte bedient, ist eine aus heutiger Sicht sehr moderne (mehr denn je James-Bond-ähnlich). Die Fernschreiber und Lochkartenleser aus den früheren Bänden haben ausgedient. Dieses Buch ist leider auch das schwächste der Serie. Die alten Versatzstücke werden nochmal hervorgeholt und wichtige Personen treten nochmal auf, aber trotzdem ist es ein kläglicher Abgesang. Schade eigentlich.

Bibliographie (Auswahl)

Quellen für diese Darstellung

Weiterführende Literatur

© 2015 Len Piltz. Bitte lesen Sie auch die Hinweise. Stand: 30.10.2011

© 2015 Len Piltz. Stand: 30.10.2011