Homepage von Len Piltz

Hamburg-Information

Im folgenden der abschließende Bericht über das Projekt "Hamburg Information im Internet" der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen. Diese Fassung ist für das Internet gekürzt und geändert.

Hamburg-Information im Internet

Projekt im Rahmen des Praxissemesters März-August 1998
in der Bücherhalle Harburg von Len Piltz, Student an der Fachhochschule Hamburg, Fachbereich Bibliothek und Information
Betreuer: Michael Braun

1. Entwicklung des Projektes

Hier möchte ich den Weg, den das Projekt bis zu seiner endgültigen Form gemacht hat, vorstellen. Dabei sollen auch Wege aufgezeigt werden, die ich für das Projekt zwar in Betracht gezogen, aber nicht oder nicht bis in die letzten Konsequenzen verfolgt habe. Dies soll zukünftigen Bearbeitern ähnlicher Projekte eine Handreichung geben über die Möglichkeiten, wie man solche Arbeiten durchführen könnte. Bei einer möglichen Erweiterung der vorliegenden Arbeit könnte dieser Bericht ebenfalls von Nutzen sein.

1.1. Undeutliche Zielvorstellung

Das Projekt hat den Titel "Hamburg-Information im Internet". Dieser etwas ungenaue Titel ist Programm: Es sollte dem Bearbeiter des Projektes kein zu enger Rahmen gesteckt werden. Es gab keine vorgefertigte Konzeption, nur das Ergebnis des Projektes meines Vorgängers Stephan Kieck - und ein paar Ideen.
Die Ideen bestanden darin, daß vor allem ein Werkzeug für die tägliche Arbeit des Bibliothekars an der Auskunftstheke geschaffen werden sollte. Es sollte eine Erweiterung der "Themensuche" sein. Doch wie genau das Projekt zu gestalten sei, war offen.

1.2. Beginn der Projektarbeit

Gleich am ersten Tag (02.03.1998) meines Praktikums, in welches das Projekt gebettet war, fing ich also mit dem Sammeln von Hamburg-relevanten Internetquellen an. Dazu benutzte ich zunächst die Suchmaschine AltaVista mit verschiedenen Boolschen Operatoren in Zusammenhang mit dem Wort "Hamburg". Zur Ergründung weiterer Schlagwörter benutzte ich einen gedruckten (!) Szene-Stadtführer für Hamburg. Die Überschriften der Kapitel in diesem Buch waren für mich eine Hilfestellung zur Schlagwortfindung - für die ersten Wochen.
Obwohl ich bei meiner Suche ziemlich offen war mit der Aufnahme von Links in meine Liste, habe ich doch schon die Zielgruppen im Auge gehabt: Bibliothekare in der Auskunft und normale Benutzer, die von zu Hause aus auf der Seite der HÖB surfen oder an einem Arbeitsplatz einer PC-Insel arbeiten. Diese beiden Zielgruppen haben ein unterschiedliches Interesse, was zu einigen konzeptionellen Schwierigkeiten führte. Ich habe versucht, während der Sammlung der Adressen auf die Wünsche beider Zielgruppen einzugehen.
Die gesammelten Links sollten in kabinettähnliche Kategorien aufgeteilt werden. Zunächst waren nicht die Kategorien der Seiten meines Vorgängers in meinem Augenmerk, ich versuchte, aufgrund der bestehenden Daten eigene Gruppen zu bilden. Es wurden elf.
Obwohl es im Grunde klar war, daß mein Projekt nur aus Links zu Hamburger Web-Quellen bestehen würde, war mir und meinem Betreuer zwischendurch die Idee gekommen, die Daten der Quellen komplett auf den eigenen Computer zu spielen und somit eine Offline-Version zu erstellen. Aber diese Idee haben wir nicht lange verfolgt, aus praktischen Gründen (Arbeitsaufwand, Aufwand bei der Aktualisierung, Speicherbedarf).
Als deutlich wurde, daß eine Übernahme des Schemas von Stephan Kieck die praktikabelste Lösung darstellt, habe ich mich im Netz umgeschaut und nach den Lösungen von ähnlichen Diensten umgeschaut.
In Anlehnung an diese Seiten sollte es nach dem Mausklick auf einen Kategorienamen die Liste aller Links der Kategorie in einer Kurzform geben, mit einer einzeiligen Beschreibung und einer Punktebewertung. Mit einem zweiten Klick auf eine der Beschreibungen sollte eine ausführlichere Beschreibung angeboten werden.
Auf der ersten alphabetischen Übersichtsseite sollte es außerdem eine Art "Hauptlink" geben, der ausführlich beschrieben war, ohne daß man einen weiteren Mausklick zu machen braucht. Der Hauptlink sollte eine besonders relevante Webseite zu der jeweiligen Kategorie sein. Diese Überlegung war eine Anlehnung an die Top-Links meines Vorgängers.
Dieses System stellte sich im Laufe der Wochen jedoch als viel zu arbeitsintensiv (und somit auch zu pflegeintensiv) heraus. Eine Abhilfe sollte die Einführung der "Weiteren Links" sein, eine Art Quick-and-Dirty-Liste der weniger auskunftsrelevanten Links, jedoch ebenfalls den Kategorien zugeordnet - ähnlich den "Best of Trash" meines Vorgängers. "Best of Trash" und "Weitere Links" haben beide den Zweck, einmal ermittelte Webseiten ohne unmittelbare Auskunftsrelevanz in einer Art Archiv aufzubewahren.
Die sehr unterschiedliche Größe der Webseiten mit ihren zum Teil sehr unterschiedlichen Angeboten schien es ratsam sein zu lassen, die größeren Seiten sozusagen zu zerschneiden und die unterschiedlichen Aspekte getrennt zu bewerten und aufzuführen. Für Hamburg.de, so war die Überlegung, würde das nicht unbedingt erforderlich sein, da mit der Suchmaschine von Hamburg.de die Inhalte auffindbar sein würden.
Als sich ungefähr 100 Internet-Quellen angesammelt hatten, begann ich die Überlegungen zum Konzept der Präsentation der Quellen zu intensivieren. Dabei waren mir Art und Inhalt der bisher gefundenen Quellen immer im Bewußtsein.
Die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen waren gerade dabei, das Design ihrer Homepage - unterstützt von der Hamburger Technischen Kunstschule - zu ändern. Auch das Präsentationskonzept wurde etwas geändert. Ich schaute mir das Design an und übernahm für meine ersten Entwürfe die meisten Elemente der WWW-Seitengestaltung.
Frau Dr. Schmolling regte eine Verwendung von MS Frontpage 98 an. Die Verwendung dieses Programms zur Internetseitengestaltung und -verwaltung erwies sich jedoch aus verschiedenen technischen und organisatorischen Gründen als nicht durchführbar. Zur Gestaltung der Seiten benutzte ich den Netscape Communicator 4.
Um weiterführende Hinweise zu bekommen, begann ich nun, die entsprechende Fachliteratur zu wälzen, insbesondere zu den Themen "Finden und Bewerten von Internet-Quellen".

1.3. Konzeptionelle Veränderungen

Ich habe weiterhin Internet-Adressen gesammelt und zum Teil auch wieder aus der Liste gestrichen, da sie nicht genügend Hamburg-relevant waren - siehe Auswahlkriterien.
Am 30.03.1998 habe ich mit meinem Betreuer einen Besuch bei Prof. Ursula Schulz im Fachbereich Bibliothek und Information gemacht. Sie gab uns für das Projekt einige weiterführende, nützliche Hinweise. Insbesondere die Auswahl und Bewertung von Internet-Quellen stand dabei im Vordergrund.
Am 19.05.98 bekamen mein Projektleiter und ich Besuch von Herrn Prof. Dr. Schmitz-Esser, zur Zeit ebenfalls noch Fachbereich Bibliothek und Information, welcher uns in einem ausführlichen Gespräch auf völlig neue Ideen brachte. Er sah die Präsentation der Hamburg-Links aus der Sicht der Benutzer / Surfer: Dabei ging er von den Motiven derjeniger aus, die zufällig auf die Seite "Hamburg-Information" surfen und nun "weitergelockt" werden sollen. Die Motive definierten wir im gemeinsamen Gespräch als "etwas erleben", "sich überraschen lassen" und "gut informiert sein". Diese Themen sollten dem Surfer zur Auswahl gestellt werden. In einer weiteren Abfrage sollte das Zeitbudget des Surfers herausgefunden werden ("Hast Du viel Zeit oder wenig?"). Eine dritte Abfrage betraf den Ort ("Soll das Angebot zu Dir kommen oder außerhalb sein?"). Die Abfragen sollten eine Filterung des Angebots nach den Motiven des Surfers ergeben. Am Ende der Abfrage sollten einige wenige, gute Angebote für den Surfer stehen. Diese "absolut neue" Sichtweise mußten wir zunächst konzeptionell und gedanklich verarbeiten. Im folgenden versuchte ich, beide Ansätze der Präsentation meiner Links "unter einen Hut" zu bekommen: Sowohl die Auskunftsarbeit der Bibliothekare als auch die Bedürfnisse von Surfern.
Frau Plutat (08.06.1998) schließlich hat sich das nach dem Besuch von Herrn Schmitz-Esser veränderte Konzept angesehen und ihre Erfahrungen aus dem BINE-Projekt sowie der Aufbauarbeit von Bremen.de eingebracht. Sie brachte uns auf "sich anregen lassen" als Surfermotiv. Außerdem regte sie an, die Verlinkung zur Suchmaschine von Hamburg.de auch direkt auf der Startseite zu plazieren. In der Selbstdarstellung im Internet forderte sie eine Definition der Auskunftsrelevanz. Als Kabinette auf der Startseite regte sie "Gastronomie", "Soziales", "Hamburger Verwaltung", "Fakten und Zahlen", "Essen und Trinken", "Umwelt" und "Tourismus" an.

1.4. Abschluß der eigentlichen Sammlung

Mit Hilfe von AltaVista hatte ich circa 110 Webseiten gefunden, die unter Umständen für mein Projekt interessant waren. Bei Yahoo.de habe ich dann noch etwa 15 weitere gefunden, bei Web.de ebenfalls 15, bei Dino Online nochmal 20 und bei Hamburg-Web.com abschließend etwa 10 Webseiten. Das waren etwa 170 Webseiten, von denen ich jedoch bei näherer Betrachtung über 20 wegstrich, die nicht die Auswahlkriterien erfüllten.

2. Ergebnis des Projektes

2.1. Aufbau und Design der Seiten

Die Zielgruppe des Projektes ist vornehmlich der Bibliothekar während seiner Auskunftsarbeit. "Leben in Hamburg" soll ein Dienst für den Surfer sein und entstand durch die Anregungen von Herrn Schmitz-Esser, wäre aber vom Umfang der Aufgabenstellung her ein eigenes Projekt wert. Daher habe ich auf "Leben in Hamburg" nicht meinen Schwerpunkt gelegt.
Die gefundenen Links wurden in 19 Kategorien aufgeteilt, die sich teilweise an die Kategorien meines Vorgängers anlehnen, aber auch insbesondere Hamburger (zum Beispiel "Hamburg-Führer") und bibliothekarische Aspekte (zum Beispiel "Bibliotheken / Kataloge") in sich vereinen. Dabei wurde - zumindest bei der Startseite - im wesentlichen das Design der Seite meines Vorgängers übernommen, um dem Benutzer die Orientierung nicht unnötig zu erschweren.
Auf der Hauptseite jeder Kategorie dürfen maximal vier besprochene Links stehen, damit die Seite nicht zu sehr gescrollt werden muß. Diese Links sind in der Regel nach der Auskunftsrelevanz geordnet.
Die "Weiteren Links" stehen auf einer der Kategorie zugeordneten, aber getrennten Seite. Da sie keine Bewertung in der Auskunftsrelevanz haben, werden sie alphabetisch aufgeführt. In manchen Fällen stehen ein bis zwei Sätze oder einige Schlagworte als Beschreibung hinter den Links.
Die Suchmaschine von Hamburg.de wurde auf der Startseite und bei der Beschreibung von Hamburg.de verlinkt, um einen schnellen Zugriff zu ermöglichen.
Die "Zerschneidung" von bestimmten umfangreichen Seiten, insbesondere Hamburg.de, hat sich in manchen Fällen als notwendig und durchaus sinnvoll gezeigt. Der Aufwand der Datenpflege wird hierdurch zwar erhöht, aber der Zugang zur Information wird enorm erleichtert. In manchen Beschreibungen sind auch verlinkte Unterkapitel benannt. Bei anderen Webseiten wäre dies auch von Vorteil gewesen, wurde aber durch die Frame-Technik zum Teil enorm erschwert. In diesem Fall wurde die Unterkategorie einer Webseite zwar genannt und beschrieben, aber nicht verlinkt. Erkenntlich sind diese Unterkategorien durch eine kursive Hervorhebung.
Die Punktebewertung wird durch gefüllte und nicht gefüllte Rauten visualisiert. Ich habe Rauten verwendet, weil Kreise schon viel zu häufig verwendet wurden und weil Quadrate nicht gut unterscheidbar sind, wenn sie direkt nebeneinander stehen. Ungefüllte Rauten habe ich verwendet, weil bei jeder Bewertung auch deutlich werden muß, wieviel Punkte eine Seite nicht erreicht hat. Mir ist bewußt, daß eine solche graphische Darstellung einen Browser voraussetzt, der das Laden und Anzeigen von Grafiken unterstützt. Da die Seiten der Hamburg-Information ansonsten nur wenige, sich meist wiederholende Grafiken aufweist, habe ich das in Kauf genommen.
Eine Selbstdarstellung und Erläuterung für die Hamburg-Information-Seiten zu schreiben und auf der Startseite zu verlinken, schien sehr sinnvoll. Damit wird das Projekt und sein Aufbau auch für Außenstehende transparenter.

2.2. Kriterien für die Auswahl und Bewertung von Internet-Seiten

Am 02.06.98 begann ich mit der Schaffung der Kriterien nach der Durchsicht ausgewählter Fachliteratur und nach eigenen, pragmatischen Überlegungen. Dabei stellte sich heraus, daß zwischen Auswahl- und Bewertungskriterien unterschieden werden muß.

Auswahlkriterien

Bewertungskriterien Gesamt / Auskunftsrelevanz

2.3. Punktesystem

Das Punktesystem ist ein Ausdruck der oben genannten Bewertungskriterien. Die Punktzahl geht von einem Punkt (schlecht) bis fünf Punkten (sehr gut). Es wurden zwei Bewertungen vorgenommen: Auskunftsrelevanz und Gesamteindruck.

So werden die Punkte bei der Auskunftsrelevanz vergeben

Punkte Bedeutung (als Richtlinie)
1 Allgemeine Informationen in der Art von Hamburg.de (Allgemeine Darstellungen, Adressen)
2 Allgemeine Informationen und konkrete, direkt auskunftsrelevante Informationen
3 Umfangreiche konkret auskunftsrelevante Information ohne Suchmaschine
4 Umfangreiche konkret auskunftsrelevante Information mit schlechter Suchmaschine oder schlechter Präsentation
5 Umfangreiche konkret auskunftsrelevante Information mit guter Suchmaschine und / oder guter, gezielt funktionierender Suchmaschine

 

So werden die Punkte bei "Gesamt" vergeben

"Gesamt" ist der Gesamteindruck für die beurteilte Webseite. Dabei spielt die Auskunftsrelevanz eine gewisse Rolle, außerdem das Design und die Navigationsmöglichkeiten der Seite. Eine Seite, die sehr für die Auskunft relevant ist, die jedoch ein schlechtes Design und / oder eine schlechte Navigation aufweist, bekommt bei "Gesamt" eine niedrigere Bewertung als bei der Auskunftsrelevanz. Eine Seite, deren gefälliges (nicht überladenes) Design und deren gute Navigation auffällt, bekommt eine bessere "Gesamt"-Bewertung als "Auskunftsrelevanz"-Bewertung. Eine solche Bewertung hat eine starke Tendenz zur Subjektivität, was sich schon an der Frage zeigt, ob der Bearbeiter Frames bei der Webseitengestaltung für sinnvoll erachtet oder nicht. Ich hielt diese Bewertung dennoch für wichtig, um den Eindruck von der beschriebenen Seite zu vervollständigen.

3. Zukunft des Projektes

Die Pflege der erstellten Hamburg-Information wird sehr aufwendig sein. Obwohl es nur für ein Drittel der Links Beschreibungen gibt (die natürlich auch veralten können), ist es ein großer Aufwand, die rein technische Aktualität der Links zu überprüfen. Dieser zugriffsorientierte Datenbestand lebt davon, daß der Zugriff funktioniert. Wenn der Zugriff nicht gepflegt wird, ist ein solcher Bestand sinnlos.
Die Überprüfung der circa 100 "Weiteren Links" kann man vielleicht mit Hilfe eines sogenannten Link-Checkers durchführen. Nur die circa 50 beschriebenen Links stellen ein größeres Problem dar. Bei ihnen muß nicht nur der technische Zugriff überprüft werden, sondern auch die Aktualität der Beschreibung. Inhalte der beschriebenen Seite oder die Qualität der Information könnten sich geändert haben. Das bedeutet, daß jeder Link im Durchschnitt mindestens 10-15 Minuten angeschaut und mit der vorhandenen Beschreibung und Bewertung verglichen werden muß. Hat sich was geändert, muß auch noch mit 5-10 Minuten Änderungsarbeit gerechnet werden. Bei 50 Links bedeutet das insgesamt einen Aufwand von minimal 8 und maximal 20 Stunden pro Durchgang. Dabei ist keine Erweiterung eingerechnet, nur die Pflege der bestehenden beschriebenen Links.

Hamburg, 16. August 1998

© 2015 Len Piltz. Bitte lesen Sie auch die Hinweise. Stand: 30.10.2011

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