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Buch-Tipps

Im Folgenden stelle ich Ihnen als Kurzrezension Romane vor, die ich für lesenswert halte. Die neuesten Rezensionen finden Sie jeweils am Anfang der Seite.

"Campingsaison" von Susanne Bartsch

Schwartzkopf Buchwerke, 2004, 242 Seiten

Eine junge Frau erbt einen Wohnwagen auf einer ablegenen Campinganlage. Der Wohnwagen ist sehr heruntergekommen und sie fühlt sich nicht darin wohl. Außerdem erfährt sie, dass ein Wahnsinniger in der Gegend aufgetaucht ist, der Frauen ermordet. Schließlich gelingt es ihr, den Wahnsinnigen zu fangen, doch damit beginnen erst die Schwierigkeiten. In einer Welt, in der die Tiere ausgerottet wurden und sogenannte Genmenschen zur Fleischproduktion herhalten müssen, stößt die junge Frau auf Unregelmäßigkeiten in der Fleischproduktion. Ihr wird ein nicht getöteter und damit illegal lebender Genmensch zur Betreuung aufgedrängt. Nun muß sie nicht nur die Polizei fürchten, sondern auch die Genfleisch-Mafia. Den weiteren dramatischen Entwicklungen sei hier der Spannungserhaltung halber nicht vorgegriffen...

Dieses Buch ist ein interessantes Gedankenexperiment, welches sehr anregt, sich mit den Themen Menschenrechte und Umwelt, aber auch Tierschutz und allgemeine Moral zu beschäftigen. Man kann das Buch kaum aufhören zu lesen, so sehr nehmen Handlung und gedanklicher Hintergrund gefangen. Manche der Darstellungen sind recht drastisch, aber dies ist nur das Mittel der Provokation, welches Bartsch benutzt, um den Leser anzuregen.

"Die Haarteppichknüpfer" von Andreas Eschbach

Heyne, 1998, 323 Seiten

Ein Planet mit einer mittelalterlich in Kasten und Zünften organisierten Gesellschaft leben als besonders hervorgehobene Kaste die Haarteppichknüpfer. Diese knüpfen aus dem Haar ihrer Frauen und Nebenfrauen wunderschöne, samtene Teppiche mit phantasievollen Mustern. Für einen einzigen Teppich benötigen sie ihr ganzes Leben. In hohem Alter, wenn sie ihren Teppich vollendet haben, verkaufen sie den kostbaren Teppich an einen Haarteppichhändler um mit dem Erlös kann der Sohn des Haarteppichhändlers damit beginnen kann, einen eigenen Teppich anzufertigen. Die Teppiche sind für den Kaiser bestimmt, damit dieser in seinem Palast nicht auf dem rauen Stein gehen muß. Die heilige Pflicht und die heilige Ehre der Arbeit der Teppichknüpfer wird von Generation zu Generation weitergegeben. Was für ein Aufruhr ist es, als plötzlich ein Mann erscheint, der behauptet, der Kaiser sei tot!

Die Handlung des Romanes folgt einer locker verbundenen Folge von einzelnen Szenen, die sich überwiegend mit dem Leben der Haarteppichknüpfer beschäftigen. Dabei bekommt der Leser einen immer detaillierteren Eindruck von einer komplizierten Gesellschaftsform und von der jahrtausendealten Geschichte des Planeten der Haarteppichknüpfer. Die überraschende, sehr beeindruckende Pointe wird hier nicht verraten. Verraten sei jedoch, daß man das Buch gut ein zweites Mal lesen kann, um dann das von Eschbach entworfene gesellschaftliche Panorama noch besser würdigen zu können. Leider bleiben manche der Charaktere etwas farblos und es wäre gut gewesen, die Handlung des Romanes noch etwas mehr in sich abzuschliessen. Doch das tut dem sehr guten Gesamteindruck keinen Abbruch.

"Digitale Tänzer" von Hartwig Hilgenstein

Argument-Verlag, 1998, 271 Seiten

Berlin in einer eher düsteren Zukunft: Die gesamte Stadt ist überdacht. Die Reichen und Mächtigen - Paläster genannt - leben in komfortablen Domizilen und kommunizieren miteinander fast ausschließlich über digitale Netze. Ein Heer von "dienstbaren Geistern" (unterbezahlte menschliche Arbeiter) ergänzen und warten den technischen Aufwand, der für die Paläster getrieben wird. Boris Darkes, Paläster und Wissenschaftler, verschwindet spurlos aus seinem Palast - an sich schon eine unmöglich erscheinende Tatsache, wird doch praktisch jede Bewegung der Paläster überwacht. Pitch, ein ehemaliger Paläster und jetziger Detektiv, übernimmt die Suche nach Darkes im nichtdigitalen Teil von Berlin unter den "dienstbaren Geistern". Mit Hilfe von Freunden erfährt Pitch bald davon, daß Darkes einen Mord begangen haben muß.

Hilgenstein gelingt ein interessantes und realistisch erscheinendes Zukunftsbild von Berlin im neuen Jahrtausend. Viel Mühe hat er auf die Ausgestaltung des Panoramas verwendet, welches sich vor dem Leser rasch entfaltet. Aber auch die Zeichnung der Charaktere kommt nicht zu kurz. Die Handlung ist schlüssig, trotzdem nicht aufgesetzt oder allzu vorhersehbar.

"Nackt" von David Sedaris

Haffmans, 1999, 351 Seiten

In siebzehn autobiographischen Erzählungen breitet Sedaris sein Leben und das der Menschen in seiner Umgebung vor dem Leser aus. Dabei gelingt es ihm, seine und die Macken seiner Familienmitglieder ironisch und humorvoll zu überspitzen. Sedaris' Erlebnisse dienen ihm als Folie für die Betrachtung von menschlichen Verhaltensweisen und ihrer Absurdität.

Als Beispiel an dieser Stelle ein Zitat aus "Die Mackenplage", der zweiten Erzählung in diesem Buch: "Es war nicht weit von der Schule bis zu unserem gemieteten Einfamilienhaus, nicht weiter als sechshundertsiebenunddreißig Schritte, und an einem guten Tag schaffe ich die Strecke in einer Stunde, wenn ich nur alle paar Dezimeter haltmache, um mit der Zunge einen Briefkasten anzutippen, oder um einzelne Blätter oder Grashalme, die mir aufgefallen waren, zu berühren. Wenn ich die Anzahl der bereits zurückgelegten Schritte vergaß, mußte ich zurück zur Schule und von vorn anfangen. [...] Möglicherweise faßte ich den Telegraphenmasten bei Schritt dreihundertvierzehn an und machte mir, fünfzehn Schritt später, Sorgen, daß ich ihn nicht genau an der richtigen Stelle angefaßt hatte. Er mußte noch einmal angefaßt werden. Man war nur ganz kurz abgelenkt, und schon beschlich einen der Zweifel, und man stellte nicht nur den Telegraphenmast in Frage, sondern auch den Rasenschmuck bei Schritt zweihundertneunzehn. Also mußte man zurück, den Zementpilz noch einmal ablecken und hoffen, daß seine Wächtern nicht wieder aus dem Haus geschossen kommt und ruft: «Nimm dein Gesicht aus meinem Fliegenpilz!»"

"Libidissi" von Georg Klein

Alexander Fest, 1998, 199 Seiten

Dieses Debütwerk ist schwer zu beschreiben, aber faszinierend. Es handelt sich um einen Agentenroman, um eine Zukunftsvision und um die Beschreibung einer fiktiven exotisch-orientalischen Stadt.

Spaik, der Mitarbeiter des deutschen Geheimdienstes in der Stadt Libidissi, wird von seiner mysteriösen Informationsquelle gewarnt, daß sich ein Nachfolger auf den Weg gemacht hat, der ihn ersetzen soll. Spaik hat sich sehr an die Lebensgewohnheiten der Einwohner angepaßt: Er geht mehrmals in der Woche in das einzige Dampfbad, das auch für Ausländer zugänglich ist und führt ansonsten ein geruhsames Leben. Zur Ruhe kommt er mit Erhalt der Nachricht jedoch nicht mehr. Es beginnt eine Verfolgungsjagd innerhalb der Stadt, bei der sich Spaik und seine Häscher mehrmals begegnen. Der angekündigte Nachfolger sind zwei jugendliche, frisch ausgebildete Agenten mit viel Kraft, aber ohne tiefere Einsicht in die Strukturen der Stadt. Spaik macht nach der Flucht den Fehler, in seine Wohnung zurück zu kehren. Dort wird er schon von seinen Verfolgern erwartet...

Besonders interessant sind die wechselnden Perspektiven. Spaik berichtet ausführlich von seinem Leben in der Stadt. Die beiden Neuankömmlinge dagegen sehen zwar zum Teil die gleichen Dingen wie Spaik, haben aber einen viel obverflächlicheren Blick darauf. Aus diesem Spannungsfeld zwischen zwei Sichtweisen besteht das größte Potential des Romanes.

"Crazy" von Benjamin Lebert

Kiepenheuer & Witsch, 1999, 175 Seiten

Benjamin Lebert beschreibt seinen kurzen Aufenthalt in einem Internat nahe München. Seine Eltern haben ihn dort angemeldet, damit er mehr lernt und so seine Zensuren verbessert. Doch zum Lernen für die Schule kommt Benjamin nicht, er ist vollauf damit beschäftigt, das Leben zu lernen. "Den Faden zu finden", wie er es ausdrückt. Seine Behinderung ist dabei nur ein Grund für die Schwierigkeiten, die er damit hat. Seine Kameraden aus dem "Hurenflügel", wie der Gang genannt wird, der zu seinem Zimmer führt, haben jeder andere Probleme, die sie daran hindern, den Faden zu finden. Nicht bei jedem sind die Schwierigkeiten so offensichtlich wie bei Benjamin. Die Gruppe macht einen nächtlichen Ausflug in den Mädchenflügel, was natürlich streng verboten ist, dafür aber um so mehr Spaß macht - oder machen sollte. Irgendwann beschließen sie, aus dem Internat auszureißen und nach München zu fahren. Dort besuchen sie ein Striplokal. Am nächsten Morgen werden sie jedoch von dem Lokalbesitzer und einem alten Mann, den sie kennengelernt haben, zurück zum Internat gebracht. Am Ende des Schuljahres muß Benjamin das Internat wieder verlassen, da er nicht die erforderlichen Leistungen erbracht hat.

Der Autor dieser Rezension ist sich des großen Medienrummels um dieses Buch und der vielen im WWW vorhandenen Kritiken bewußt. Trotzdem greift er zur Tastatur, im Versuch, die Wogen etwas zu glätten. Zweifellos kann man den Roman nicht mit Der Fänger im Roggen oder Texten von Hemingway auf die gleiche Stufe stellen, wie es vereinzelt in Kritiken getan wurde. Die Voraussetzungen sind einfach zu unterschiedlich. Bei Crazy handelt es sich um ein einfach geschriebenes, trotz einiger entsprechender Versuche nicht sehr tiefgehendes Werk. Eine leichte Lesekost für ein oder zwei Abende, um einen Begriff aufzugreifen, der verschiedentlich in Rezensionen zu diesem Buch gefallen ist. Und doch hat es gegenüber anderen Büchern zum Thema Pubertät einen Vorteil: Es ist authentisch. Es könnte sich um Tagebucheintragungen handeln, leicht gestrafft und geglättet. Die Authentizität bedeutet gleichzeitig, daß der Stil unausgereift ist. Es könnte sich um einen Beitrag in einer Schülerzeitung handeln. Manche Dialoge wirken gestellt tiefgründig, andere sind liebenswert und nah an der heutigen Jugendkultur. Außerdem gelingen Lebert einige sehr humorvolle Szenen. Der Autor dieser Rezension hält weder das Verdammen noch das Hochjubeln von Crazy für gerechtfertigt. Es ist das Buch eines Siebzehnjährigen und nicht das eines Fünfzigjährigen, der Germanistik studiert hat. Deutschlehrer werden dieses Buch vielleicht nicht in ihren Unterrichtskanon aufnehmen, aber möglicherweise wird sich der eine oder andere Schüler mit dem Buch beschäftigen und darüber ins Nachdenken geraten.

"Down in the Valley" von David M. Pierce

Haffmans, 1992, 285 Seiten

Victor Daniel, ein Privatdetektiv in Los Angeles, muß sich mit Kleinkram über Wasser halten. Er beschattet Ehefrauen, deren Ehemänner sie des Ehebruchs verdächtigen, sucht verschwundene Mädchen und macht viele andere Dinge, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Alltag eines Schnüfflers eben. Der Direktor einer Schule beauftragt Vic Daniel, etwas über den Drogenhandel an seiner Schule herauszufinden und, wenn möglich, diesen Drogenhandel zu unterbinden. Im Laufe der Ermittlungen stößt Vic Daniel auf den Täter und seinen Komplizen. Mit nicht gerade gesetzlichen Mitteln verhilft er der Gerechtigkeit zum Sieg. Nebenbei unterstützt er ein adoptiertes Punkmädchen, das etwas über seine Vergangenheit herausfinden möchte.

Dieser Kriminalroman ist der erste einer Reihe mit dem "Discount-Detektiv" Vic Daniel. Es sind nie großartige Fälle, an denen der Privatdetektiv dran ist, aber immer hat er mehrere gleichzeitig am Wickel. Zwischendurch erfährt man etwas über sein Privatleben und seine Vergangenheit. Nicht zuletzt die Sprache, der sich David M. Pierce dabei bedient, macht diese Kriminalromane sehr lesenswert. Dazu trägt auch die sehr gute Übersetzung von Harry Rowohlt wesentlich bei.

"Fremder in einer fremden Welt" von Robert A. Heinlein

Bastei-Lübbe, 1996, 667 Seiten

Ein Forschungsschiff wird auf den Mars geschickt, meldet sich jedoch nach einiger Zeit nicht mehr. Da der dritte Weltkrieg dazwischen kommt, kann erst 25 Jahre später ein zweites Raumschiff zum Mars starten, um das erste zu suchen. Es stellt sich heraus, daß der Mars von einer fremden Rasse bewohnt ist. Die Besatzung des ersten Raumschiffes ist tot, doch es gibt einen Sohn, der auf dem Mars von den Besatzungsmitgliedern gezeugt wurde. Der Sohn wird von den Marsianern aufgezogen. Das zweite Raumschiff nimmt das Waisenkind mit auf die Erde. Dort muß sich der nach körperlichen Maßstäben menschliche, nach geistigen Maßstäben jedoch marsianische Waise mit dem Namen Valentine Michael Smith zunächst in einem Krankenhaus akklimatisieren. Eine von einem Journalisten angestiftete Krankenschwester namens Jill entführt Michael und bringt ihn zum Anwesen eines befreundeten Anwaltes. Auf diesem Anwesen lernt Michael das Wesen der Menschen näher kennen und erhält eine "zweite Erziehung". Währenddessen sucht die Regierung nach ihrem Schützling. Bei der Flucht und im Laufe der "zweiten Erziehung" stellen die ihn umgebenden Menschen fest, daß Michael übermenschliche Fähigkeiten hat, unter anderem Telekinese. Sie wollen verhindern, daß er in den Versuchslabors der Regierung endet, darum inszeniert der Anwalt eine große Show in der Weltöffentlichkeit, die es Michael zukünftig erlaubt, sich frei zu bewegen. Michael zieht aus und streift zusammen mit Jill durch die Welt. Dabei glaubt er ein Mittel zu entdecken, das die Menschen glücklich machen könnte: die Religion. Er gründet eine eigene Kirche, die die Menschen Marsianisch und übermenschliche Fähigkeiten lehrt. Natürlich werden er und seine Jünger angefeindet. Er wird zum ersten Märtyrer seiner eigenen Religion.

Dieses Buch hat Heinlein 1961 geschrieben und es wurde zunächst in starker Verkürzung veröffentlicht. 1962 wurde das Werk mit dem Hugo Gernsback Award ausgezeichnet. 1991, drei Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, wurde der Roman ungekürzt neu herausgebracht. Die obige, zwangsläufig verkürzende Darstellung zeigt nicht den Detailreichtum auf, mit welchem das Buch ausgestattet ist. Die Charaktere sind zwar nicht tiefgehend beschrieben, aber ihre Handlungen sind trotzdem nicht aufgesetzt oder unlogisch. Wichtig erscheint die nachträgliche "Menschwerdung" eines Menschen und die Konsequenzen, die dieser neue Mensch aus seiner Umwelt zieht.

"Snow Crash" von Neal Stephenson

Goldmann, 1994, 534 Seiten

Hiro Protagonist ("Letzter freiberuflicher Hacker, größter Schwertkämpfer der Welt") verliert seinen Job als Pizza-Auslieferer. Er wird in einen Strudel von Ereignissen rund um eine neue Sekte gerissen. Diese Sekte und reiches Oberhaupt scheinen mittels einer neuartigen Sprache und einem Computervirus die Weltherrschaft an sich reißen zu wollen. Hiro Protagonist, ein Hacker mit großartiger Vergangenheit und kleiner Gegenwart, trifft auf die verschiedensten Leute, die alle irgendwie in die Sache verwickelt sind. Hiro muß eine virtuelle Verfolgungsjagd auf den Killer Raven machen und außerdem die Massenverbreitung des Virus stoppen. Dabei bekommt er Hilfe durch Y.T., eine Skateboard-Kurierin. Wird es ihnen gelingen, einen weltweiten Computercrash zu verhindern?

Dieser Science-Fiction kann dem Cyberpunk zugerechnet werden. William Gibson ist der erste große Vertreter dieses Genres, doch Stephenson braucht sich mit diesem Buch nicht vor ihm verstecken. Snow Crash hat einen völlig anderen Stil als Gibsons Werke, aber gerade dieser Stil macht das besondere des Buches aus. Einige Passagen sind ziemlich "abgedreht"; besonders einige Plot-Ideen machen den Eindruck, sie seien im Kopf eines Fahrradkuriers entstanden. Der Name des Buches leitet sich von dem totalen Zusammenbruch eines Computersystems ab, bei dem auf dem Bildschirm nur noch Schnee zu sehen ist.

"Tigeraugen" von Tonke Dragt

Verlag Freies Geistesleben, 1997, 481 Seiten

Bei diesem Buch handelt es sich inhaltlich um eine Fortsetzung von "Der Roboter vom Flohmarkt - Route Z" und "Turmhoch und meilenweit", beide von Tonke Dragt.

Die Handlung wechselt zwischen verschiedenen Personen, konzentriert sich aber hauptsächlich auf Jock Martin, einen ehemaligen Planetenforscher und jetzigen Maler. Er ist aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, nachdem er auf der Venus gegen Vorschriften verstoßen hat, und wurde zu einem Betreuer von Jugendlichen, die sozial auffällig geworden sind. In der Gruppe der Jugendlichen ist auch Bart Doran, ein Sechzehnjähiger, der mit einem gefälschten Führerschein gefahren ist. Jock Martin entdeckt langsam und ungläubig, daß er eine Gabe für Telepathie hat, ebenso wie seine Halbschwester Anna. Auch Bart Doran muß gegen Ende des Buches erkennen, daß er diese Gabe besitzt.

Inzwischen kehrt Edu Jansen - bekannt aus den beiden vorigen Büchern - zur Erde zurück. Er will den Menschen der Erde die Kunde bringen, daß es auf der Venus Lebewesen gibt, die ebenso vernunftbegabt sind wie die Menschen. Diese Wesen nennen sich Afroini und sind durchweg von Natur aus zur Telepathie fähig. Einige Wissenschaftler haben diese Tatsache den Erdenmenschen für viele Wochen vorenthalten, doch Edu Jansen macht dem auf einer weltweit übertragenen Konferenz einen Strich durch die Rechnung. Bis dahin gibt es viele Anfechtungen, die Edu Jansen, Jock Martin und deren Freunde zu durchstehen haben.

Das Buch ist ein für Jugendliche geschriebener Science-Fiction, läßt sich aber auch mit viel Genuß von Erwachsenen lesen. Die Charaktere sind (mit Ausnahme des wichtigsten Gegenspielers, eines Roboterfachmannes) wunderbar gezeichnet, ihre Handlungen schlüssig. In ihrer stark durchorganisierten Welt setzen die im Buch handelnden Personen im wahrsten Sinne "kreative Farbtupfer".

"Und jenseits - das Wobb" von Philip K. Dick

Haffmans Verlag, 1998, 363 Seiten

Dies ist der Band 1 der Reihe "Sämtliche Erzählungen" des Science-Fiction-Autors P. K. Dick im Haffmans Verlag. Es enthält die zwölf ersten veröffentlichten Geschichten und eine unveröffentlichte.

Diesen Geschichten merkt man an, daß der Autor sich und seine Stoffe ausprobiert. Trotzdem sind schon in diesen Geschichten einige der Themenkreise enthalten, die ihn auch später beschäftigen werden. Die spezielle Sicht des Autors auf das, was allgemein als "Realität" bezeichnet wird, erlaubte ihm das Schreiben von "verschrobenen" Geschichten. So z.B. in "Entbehrlich" (Expendable), bei dem er eine Begegnung mit Fliege zu einer Geschichte verarbeitete, bei der es um die Herrschaft der Insekten über die Erde geht. Auch die Titelgeschichte behandelt im Kern die Frage nach der unterschiedlichen Sicht von Realität. Die Muster und Traditionen der Science-Fiction nutzte der Autor schon in diesen frühen Werken in seiner besonderen Art und Weise.

Am Schluß des Buches sind wie schon in den zuvor erschienenen Bänden der Reihe kurze "Nach- und Hinweise" zu finden, in denen das Datum der Veröffentlichung und eventuell Anmerkungen des Autors zu den jeweiligen Geschichten zu finden sind. Die Herausgabe der Werke P. K. Dicks durch den Haffmans Verlag ist sehr verdienstvoll. Leider schreitet die Vervollständigung der Edition nur sehr langsam voran. Aber immerhin, für den Fan von SF der ausgefalleneren Art gibt es mit diesem Buch guten Lesestoff. Als Einstieg in das Schaffen von P. K. Dick ist dieses Buch allerdings nur bedingt empfehlenswert.

"Target" von Marcus Hammerschmitt

Suhrkamp Taschenbuch, 1998, 122 Seiten

Eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Führung eines Soldaten landet auf dem Planeten Target, um einen merkwürdigen, riesigen Wald zu untersuchen, der in seiner Weise einmalig ist. Der Planet wird als Testgebiet für Waffensysteme benutzt, da sich die Menschheit im Krieg mit einer fremden Rasse befindet. Nur der Wald wird von den Tests verschont, weil die Wissenschaftler das aufsehenerregende ökologische System des Waldes erforschen wollen. Die Gruppe soll nun genau das tun. Der Soldat steuert das Raumschiff in einen Schacht, der mitten im Wald in unbekannte Tiefen führt. Die Gruppe steht unter starkem Streß und daher kommt es trotz ihrer Professionalität als Wissenschaftler zu Auseinandersetzungen. Zusätzlich macht der Wald den Forschern das Leben schwer. Schließlich muß die Gruppe das Raumschiff aufgeben und versucht, wieder den Schacht zu verlassen, was mißlingt.

Die ungewöhnliche Erzählperspektive (aus der Sicht eines semiintelligenten Roboters, der einzige "Überlebende"), die interessanten Hintergründe und die wohlgelungenen Charakterportraits machen diesen kurzen Roman zu einem ausgesprochenen Lesevergnügen. Target ist das dritte Buch von Marcus Hammerschmitt, das bei Suhrkamp erschienen ist.

© 2015 Len Piltz. Bitte lesen Sie auch die Hinweise. Stand: 30.10.2011

© 2015 Len Piltz. Stand: 30.10.2011